Die Frankey Honkey Donkey Tour!

Ende März sollte endlich die erste größere Biketour 2021 angegangen werden. Die Eckdaten für die Tour waren: 2 Tage, mindestens 150 km, mindestens 2000 Höhenmeter und so wenig feste Straßen und Autos wie möglich. Selbstverständlich sollte alles konform mit den Corona Maßnahmen ablaufen. Bei meiner Recherche entdeckte ich den Eselsweg, dieser läuft durch den schönen Spessart mit dem größten zusammenhängenden Waldgebiet in Deutschland.
Der Eselsweg ist eine Altstraße, die schon über 2000 Jahre besteht! Keltische Krieger und römische Kaufleute, kaiserliche Kuriere, Bischöfe, Grafen und Ritter nutzten diesen 111 km langen Weg. Berühmt wurde er jedoch durch die Orber Salzkarawanen, die mit Salzsäcken beladenen Eseln hier entlang zogen und dem Weg seinen Namen gaben.
Der Eselsweg war für die geplanten Eckdaten etwas zu kurz, also wurde noch etwas hinzugefügt oder geändert. Somit wurde es die folgende grobe Route: Tag 1 - von Aschaffenburg über Umwege nach Bad Orb = ca. 100 km, Tag 2 - von Bad Orb nach Frankfurt am Main = ca. 70 km. Für den Weg Bad Orb nach Frankfurt wurde der gelobte CX Berlin Routenplaner eingesetzt, dazu mehr am Ende.

Um mit Spaß und Erfolg solche Touren zu fahren bedarf es gewisse Vorbereitungen. Diese gehören immer dazu und machen mir fast genauso viel Spaß wie die Tour selbst. Also Ross und Reiter müssen fit sein, das bedeutet Bike, Ausrüstung checken und Trainingsfahrten! Bei Geländebergfahrten muss Schaltung und Antrieb tadellos funktionieren und auf die Bremsen 100% Verlass sein. Ende März wird es immer noch früh dunkel und das Wetter kann immer noch schmerzlich werden. Also gutes Licht und warme wasser- & winddichte Kleidung sind ein Muss.
Da ich den Winter durchfahre, ist mein Setup eigentlich komplett. Für den Eselsweg wird zwar ein Mountainbike empfohlen und von einem Graveller eher abgeraten… Doch Versuch macht klug und ich habe den Anspruch, mit meinem Rad alles hinzubekommen.

Somit habe ich die Übersetzung für die knackigen Geländeanstiege verbessert. 40 Zähne hinten ist das Maximum, welches das Schaltwerk hinten hergibt. Interessanterweise gibt Shimano nur 36 Zähne für die GRX 400 an. Da es mein eigenes Rad ist und kein Kundenrad, wollte ich im Selbstversuch die Grenzen ausloten. Nach locker 500 km Extremtest kann ich für meinen Fall sagen: 30/46 vorne, 40er hinten geht ohne Probleme. Da ich eh an der Schaltung zu Gange war, nutzte ich die Gelegenheit, meine 2000er „Wäscheleineschaltung“ endlich an die Neuzeit anzupassen. Ja ich weiß, alle sagen es muss mindestens eine 105 Shimano sein, darunter ist alles nichts. Doch wie vielleicht schon woanders von mir gelesen oder gehört, ich finde es auch spannend die Unterkante von Preisleistung zu kennen. Und da Shimano auch seine Tiagra-Reihe weiterentwickelt hat, wollte ich sie aus Neugierde und für euch testen. Mir war nur wichtig, eine schnelle Griffweitenverstellung der Hebel zu haben und die hat die Tiagra 4700. Diese hat bis jetzt super performt und ich vermisse rein gar nichts. Alle Gänge gehen perfekt mit kurzen Schaltbefehlen und meine Bremsen gehen geschmeidig und souverän. Ich bin schon ein paar 105er gefahren, die nicht so leicht und knackig vonstatten gingen. Wenn die Tiagra die nächsten Jahre so weiter macht, bin ich einfach nur begeistert. Zu guter Letzt gab es noch das Reifenthema. Bei der vorletzten großen Tour, dem Hessen Orbit 360, hatte ich vier (!) Platten, ja kaum zu glauben und meiner Meinung nach war das ein Voodozauber :-). Verständlicherweise habe ich darauf überhaupt keinen Bock mehr, da ich dadurch einen heftigen pausenlosen Pedalieren-Reparieren-Tag hatte. Also nun Vollangriff: 2 x neue Tubeless Reifen Continental Terra Speed, Tubeless komplett Pannenset und 2 x Ersatzschläuche + Schlauchpannenset. Mit diesen Plan A, B und C konnte und ist auch nichts schief gelaufen.

Kurz vor dem Tourstart wurde es noch zum Krimi, denn die Wettervorhersage war recht heftig. 2-5 Grad Dauerregen, Schnee oder Hagel mit Sturmböen. Das klang überhaupt nicht nach Fahrfreude und mehr nach Fluchen und Erkältung. Auch die Inzidenzwerte sagten überhaupt nichts Gutes, mit welchen Maßnahmen werden Bayern und der Main-Kinzig-Kreis wohl reagieren? Es wurde stark gezweifelt und die Wörter „absagen und verschieben“ ausgesprochen. Doch die Lust auf diese Tour wurde immer stärker. Planänderung! Wir packen einfach unsere Kocher für heiße Getränke und zum Wärmen ein. Tarps (Regenplanen) um sich schnelle Notunterstände zu bauen. Zusätzlich noch, wo befinden sich Schutzhütten auf der Route? Damit probieren wir es und wenn es ganz hart kommt, brechen wir einfach ab, Gesundheit ist das Wichtigste. Auch hatten wir mit der geplanten Route und mit den dortigen Corona Maßnahmen zum Glück keine Kollision.

Tag 1
Yeah! Der ersehnte Samstag ist da! Ohne Wecker wache ich aufgrund der Vorfreude auf, los geht es! Das Wetter ist etwas kalt aber hält. Es ist etwas windig aber noch trocken. Im Zug nach Aschaffenburg gibt es gleich Mal zwei Überraschungen. Ein Platten im Zug! Doch nicht bei mir ;-) Dichtmilch rein, Luft rein, alles gut, so sollte es eigentlich immer laufen. Überraschung Nummer zwei, der Triebwagen ist defekt, nun müssen wir etwas früher aussteigen und den Routenplaner aktivieren. Nach ein paar Kilometer sind wir im Wald und auf der richtigen Route und genießen die autofreie und menschenleere Fahrt. Das Wetter zeigt sich als Aprilwetter, kurze plötzliche Regen oder Hagelanfälle fordern uns zum pokern auf: Halten? Weiterfahren? Umziehen? Unterstellen? Was denn jetzt?

Wir haben einfach im Ganzen Glück gehabt, so dass wir nie komplett nass oder vereist wurden. Es waren letztendlich nur kurze Anflüge und wir hätten uns sehr, sehr geärgert, wenn wir deswegen nicht gefahren wären. Der Wind ist phasenweise bedrohlich und ich mach mir Sorgen, ob die Bäume auch an ihrem ursprünglichen Platz bleiben. Da wir recht häufig unsere Bikes tragen oder die Wege ändern mussten, zeigte es mir, dass diese Sorgen nicht ganz unberechtigt waren. Letztlich gab es keine Probleme von oben, nur ein wenig von unten. Ein berüchtigter „AstverklemmthintendenAntrieb“ sorgte für das Reißen meiner Kette, das Verbiegen vom Schaltwerk und dem Rausreißen vom Schaltzug. Da aber Werkzeug, Ersatzteile und das Know-how da waren, ist das alles kein Problem gewesen. Der Rest war einfach Naturbiken pur, inklusive einer spannender Nachtfahrt von 1,5 Stunden und Belohnungsabschlussabfahrt!
Tag 1, über 100 km inkl. tragen und schieben +- 2000 Höhenmeter geschafft - und geschafft aber glücklich eingeschlafen. Ach ja, der Espressokocher + Kaffee wurde von mir vergessen. Echt Mist! Schande über mein Haupt. Doch als Running Gag war diese Tatsache immer wieder ein Gutelaunebringer.

Tag 2
Die Beine jammern beim Aufstehen am Morgen, und es gibt gleich mal zum Aufwachen einen fiesen Aufstieg in die Fresse. Nix mit warm fahren, aber wir wussten es ja vorher. Wir hatten es ja noch die Nacht zuvor ausdiskutiert und uns dafür entschieden. Wie der amüsante Satz schon sag: „heul leise, und fahr weiter“. Der Spessart und das Wetter zeigen sich von der besten Seite, und bis auf weitere Probleme von „unten“ lief es sehr gut. Bei einem Bike machte sich die Kurbel locker und somit schob sich unten alles hin und her. So konnte der arme Umwerfer auch nichts dafür. Der wurde von uns zu Unrecht verdächtigt und vorverurteilt. Bei dem anderen Bike war es aber tatsächlich der Umwerfer. Das Ganze war aber zur Freude aller machbar, und Frankfurt wurde bald mit seiner Skyline sichtbar. Es gab aber noch ein kleines Highlight! Eine selbst erwärmte Suppe mit Sonnenblick auf die Ronneburg, diese wurde dann zur schönsten Tourpause ernannt. Ich hatte ja für die Strecke Bad Orb den viel gelobten CX-Berlin Routenplaner genutzt, war aber von dem Routing enttäuscht. Es waren viel zu viele Straßen. Wenn man nach so einer geilen Naturpfadtour durch Frankfurts Industriestraßen gelotst wird, ist ein gewisser Teil der Erholung durch Abgase und Hektik wieder verflogen. Ich gebe aber dem Routenplaner noch ein paar Chancen. Bei Komoot ist ja auch nicht alles Gold. Nun denn, mit einem Grinsen im Gesicht lande ich zuhause, gefüllt mit viel Frischluft, 170 Km und 3000 Höhenmeter in den Beinen und die nächste Tour im Kopf.


Fazit:
Der Spessart kann was, die deutsche Bahn nicht immer.

Nicht immer auf die Vorhersagen hören und es geht auch ohne Espresso!

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Tom Mull (Mittwoch, 07 April 2021 17:17)

    Schöner Bericht und tolle Fotos Micha! Beim nächsten Mal hoffentlich ganz ohne Pannen...
    Ride ON!

  • #2

    Chris Franz (Mittwoch, 07 April 2021 23:00)

    Schöner Bericht!
    Ein Ast hattest du hinten in die Kette bekommen? Ja hatte ich auch mal. Da geht nix mehr und man muss improvisieren bzw reparieren! Cool!

  • #3

    MH (Samstag, 10 April 2021 12:22)

    Das macht Lust auf alles, was 2021 noch bietet! Sicher verzieht sich das Aprilwetter bald, dann kann es richtig losgehen. Vielleicht dann ohne Pannen im Zug und Zugpannen! :-)