Biketour “November Pain”: Von Frankfurt zur Loreley – Kalt, Nass, Perfekt
Ein Novemberwochenende, an dem jeder vernünftige Mensch zuhause geblieben wäre. Grau, nass, kalt – genau die Art von Wetter, bei dem man sich fragt, warum man Bikepacking eigentlich liebt. Und trotzdem standen wir an einem frühen Samstagmorgen zu zweit in Frankfurt am Main: zwei Freunde, zwei Gravelbikes, zwei gut gepackte Bikepacking-Setups und ein gemeinsames Ziel – die Loreley.
Kalter Start, warme Träume
Schon die ersten Kilometer raus aus Frankfurt gaben den Ton an. Ein feiner Regen begrüßte uns gleich zu Beginn – ein treuer Begleiter für das gesamte Wochenende, zusammen mit echtem Novembergrau. Die Temperaturen waren einstellig, und nach einer Stunde waren Matthias’ Handschuhe nicht nur durchfeuchtet, sondern eiskalt. Grund genug für eine kleine Kursänderung: Ab in die Mainzer Altstadt – neue Handschuhe besorgt, Kaffee in die Blutbahn, und weiter ging’s. Die Gesichter waren klamm, aber die Laune? Unerwartet gut.
Denn genau das ist das Schöne an solchen Wochenend-Mikroabenteuern: Man weiß, dass man etwas tut, was man nicht tun muss, sondern tun will. Dieses Gefühl, dem Alltag kurz zu entfliehen – egal wie wenig einladend die Umstände sind.
Wir rollten über überraschend schlammige Feldwege und durch die schöne Auenlandschaft am mächtigen Rhein entlang, der sich trotz des Wetters majestätisch zeigte. Der Fluss lag wie ein dunkler Geist neben uns, eingerahmt von Weinbergen und schroffen Hügeln. Irgendwann tauchte die Loreley in der Ferne auf – ein Zeichen, dass das gemütliche Ende des Tages näher rückte.
Sauna statt Lagerfeuer
Normalerweise endet ein Bikepacking-Tag am Feuer, mit Nudeln aus dem Kocher und einer kühlen Nacht im Zelt. Aber nicht an diesem Wochenende. Wir hatten uns etwas gegönnt – und es war die beste Entscheidung überhaupt. Nach knapp 100 nassen Kilometern kamen wir durchgefroren an unserer Unterkunft an. Die Bikes waren schlammig, unsere Klamotten ebenfalls. Doch die Kombination aus dem ersten warmen Innenraum und dem Wissen, dass gleich eine Holzsauna auf uns wartete … das war pure Motivation. Und was soll man sagen? Die Sauna war magisch.
Das Knistern des Holzes, die Hitze, die langsam wieder Leben in die Muskeln brachte – es fühlte sich an wie ein Reset-Knopf für Körper und Geist. Danach gab es ein einfaches, aber unglaublich leckeres Abendessen. Vielleicht schmeckte es nur so gut, weil wir so ausgekühlt waren – oder weil Essen nach einem langen Ride einfach immer dreimal besser ist. Das Bier diesmal viermal besser :-)
Später fielen wir in ein warmes Bett, während draußen der Regen weiterprasselte. Drinnen fühlte sich alles nach wohlverdientem Luxus an – nach einem Tag voller kleiner Strapazen.
Rückfahrt mit Rückenwind – zumindest im Herzen
Die Rückfahrt am Sonntag war ähnlich nass, aber wir waren ausgeruht, warm und gut gestärkt. Und wie immer nach solchen Overnightern war das Gefühl ein Mix aus Müdigkeit, Zufriedenheit und stiller Begeisterung darüber, was man in nur zwei Tagen erleben kann. Die große Schlammschlacht ließen wir diesmal ausfallen – ein Knie meines Freundes meldete sich. Auch wenn es auf Insta & Co. oft anders aussieht: 100 Kilometer, und das an zwei Tagen hintereinander, macht niemand einfach so „aus der kalten Hose“.
Bikepacking muss nicht immer sonnig sein. Mir persönlich gefällt der Winter sogar besser – es ist viel einsamer, und vielleicht liegt es daran, dass ich von Kind an ein Jack-London-Fan bin. Es muss nicht episch sein, nicht wochenlang und nicht weit weg. Manchmal reicht ein Wochenende, zwei Bikes, ein guter Freund an der Seite, ein bisschen schlechtes Wetter und eine Sauna – und schon entsteht eine Geschichte, die hängenbleibt.









Kommentar schreiben
Jeff (Samstag, 06 Dezember 2025 14:57)
Tolle Reise!!
Eva (Dienstag, 09 Dezember 2025 10:11)
Super toll���